Survivor

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Mitte August 2012 nahm eine fast verzweifelte junge Frau Kontakt auf mit Marc und Lothar. Die Frau war vor einigen Tagen in den Stall ihres Vermieters gegangen. Was sie dort sah, war Tierleid, sehr viel Tierleid. Sie sah Kälbchen, die gerade geboren waren und hilflos nach ihrer Mutter riefen, auf der Suche nach einem warmen Kuhleib und einem Euter mit Milch, ihren ersten wichtigen Bedürfnis. Aber für die Kälber gab es nicht mehr als ein Plastik-Iglo mit einem Zaun rundherum, an dem ein Eimer befestigt war, aus dem sie trinken mussten. Sie standen und lagen in ihren eigenen Ausscheidungen und nur zweimal täglich kam der Bauer vorbei, um Kunstmilch in die Eimer zu füllen. In der Abteilung für die älteren Kälber, dem dunklen Stall, waren alle Fenster mit Folie verdunkelt. Dieser Stall war noch schmutziger und voller. Die Frau war von diesen Bedingungen so ergriffen, dass sie beschloss, für die Kälbchen zu sorgen. Nach ihrer Arbeit ging sie in den Stall, um ihn sauber zu machen, Stroh zu verteilen und jedem der Kälbchen ein bisschen Liebe und Wärme zu geben. Sie achtete auf die Gesundheit der Tiere und meldete dies dem Bauer. Sie wusch die Kälbchen, wenn sie Durchfall hatten, weil sie die Milch und die großen Mengen nur zweimal pro Tag schlecht vertrugen. Die Frau gab den Tieren Namen, der Bauer gab ihnen Nummern.

Die junge Frau schloss die Tiere immer mehr in ihr Herz und versprach den jüngsten Kälbchen, dass sie nicht als Hamburger, Beefsteak oder weißes Kalbsfleisch enden würden, sondern dass sie nach dieser Hölle auf Erden frei kommen würden. Sie setzte über das Internet eine Gruppe auf, um diese Tiere frei zu bekommen. Ein paar Menschen beschlossen, dass die Kälber freigekauft werden müssen. Als die Frau Marc und Lothar fragte, ob die Kälber bei Melief unterkommen können, wurde gründlich erwogen, ob Melief diesen Tieren ein Unterkommen bieten könne. Denn Kälbchen können, wenn sie erwachsen werden, enorme Tiere werden, die viel Arbeit und zusätzliche Kosten verursachen. Auch war klar, dass diese erbärmlichen Umstände in der Milchindustrie leider die Regel und nicht die Ausnahme sind, und dass das System durch diese einmalige Aktion nicht beendet würde. Melief ist nicht nur eine Auffangstation für Tiere, sondern will auch Menschen bewusst machen, welche Folgen ihr Konsumverhalten hat. Wenn Menschen auf dem Hof Individuen sehen würden, die einen Namen hatten und die diesem System der kaputten Tierindustrie entkommen waren, könnte dies zu einer solchen Bewusstwerdung beitragen.

Nachdem wir der Frau eine Zusage erteilt hatten, ging alles rasend schnell. Anfang September kam die Frau mit den beiden Kälbchen, die sie von dem Geld, dass ihre Unterstützer im Internet gesammelt hatten, um einige Tiere freizukaufen. Für Stichting Melief verursachte dies zunächst also keine Kosten.

Das Kuhkalb, dass die Frau Sternchen nannte, dass bei Melief aber den Namen Sunshine bekam, weil es solch einen sanften, sonnigen Charakter hatte, war in sehr schlechtem Zustand, aber erholte sich nach einigen Wochen intensiver Pflege zur großen Freude aller. Beide Kälbchen waren unzertrennlich, bis das Schicksal zuschlug und Sunshine doch starb, zu unser aller großer Trauer. Weil Survivor, wie das Stierkalb genannt wurde, untröstlich war und tagelang herumlief und muhte, beschlossen wir, ein weiteres Kuhkalb aufzunehmen. Darüber können Sie mehr lesen bei Isabella LaWinia.

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