Charlotte

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Mitte Oktober 2012 mailte uns eine sehr besorgte Frau. Ihre Nachbarn hätten gerade geheiratet. Die frisch Vermählte hätte sich schon immer ein Schweinchen gewünscht und es nun als Hochzeitsgeschenk bekommen. Ein 2 Monate altes Ferkelchen, das schließlich als ausgewachsenes Schwein, 300kg auf die Waage bringen wird… Auf dem Sofa wurde fein mit dem süßen Schweinchen geschmust. Aber irgendwann kam der Gedanke, dass ein Schwein doch wohl nicht so gut in ein Reihenhaus mit einem sehr kleinen Garten passt. Tagsüber wurde das kleine Mädchen im Schuppen in einen Kinderlaufstall gesperrt. Darin musste es schlafen, fressen, trinken und seine Notdurft verrichten. Letzteres führt natürlich auf so klitzekleinem Raum schnell zu einer ziemlich stinkenden Angelegenheit.

Also sollte das einst so sehr herbeigesehnte Geschenk so einfach wie es gekommen war, wieder hinaus. Die besorgte Nachbarin hörte davon und suchte schnell nach einer neuen Bleibe. Sie telefonierte überall herum, von SchweineAuffangstationen über Streichelzoos bis zu Behinderteneinrichtungen mit Landwirtschaft. Alles vergebens. Die Zeit drängte, denn das Ferkelchen sollte am Samstag zum örtlichen Biobauern gebracht werden, um dort noch eineinhalb Jahre gemästet zu werden. Biologisch oder nicht, letztendlich möchte kein Tier sterben. Und schließlich werden alle Schlachttiere auf die gleiche Art und Weise umgebracht. Donnerstagabend sagten wir dann zu, dass das kleine Mädchen zu Melief kommen darf. Leider mussten wir die etwa 500km selbst zurücklegen, um das Hochzeitsgeschenk aus seiner schmutzigen Box zu befreien.

Auf dem Weg nach Sögel schlief Klein- Charlotte, wie Marc sie unterwegs genannt hatte, voller Vertrauen in einen guten Verlauf, im dicken Stroh. Es war gut, dass sie unterwegs nicht die vielen Viehtransporter mit Hunderten ihrer Artgenossen sehen konnte, die mit großer Angst in den Augen in den riesigen Transportern übereinandergestapelt und auf dem Weg zu einem ganz anderen Endziel waren, nämlich zum Schlachthaus… Charlotte kam hier am frühen Freitagnachmittag an und lernte Jonas, das andere junge Schwein kennen. Und obwohl Jonas kein Interesse an Charlotte zeigte, schliefen die beiden abends Seite an Seite im warmen Stroh.

Übrigens hat Charlotte ein braunes und ein blaues Auge! Und sie hat noch ihre Milchzähne und ihren kleinen Ringelschwanz! Normalerweise werden die spitzen Zähne bei Mastferkeln abgeknipst und der Schwanz wird einfach abgehackt. Charlotte ist eines der wenigen Schweine, die der Fleischindustrie ohne Verstümmelungen entwischt sind.

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502k 100k 3 month ago
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